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24.01.2006
Onlinehandel 2006: Onlinehandel wächst gegen den Trend
Liefer- und Servicequalität sowie Kundenbindung sind Erfolgsfaktoren.

Geht es nach den Referenten und Teilnehmern des Kongresses Onlinehandel 2006 nimmt der E-Commerce in Deutschland weiter Fahrt auf. Auf Einladung des Bad Homburger Managementforums trafen sich Anfang Januar namhafte Experten im Wiesbadener Sofitel Dorint Hotel zu einer ersten Positionsbestimmung.

Der stationäre Einzelhandel beklagt seit Jahren die Nachfrageschwäche in Deutschland, während der Onlinehandel weitere Umsatzzuwächse vermeldet. Online-Shopping war auch 2005 ein Wachstumsmarkt und liegt im europäischen Vergleich auf Platz drei, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Das Weihnachtsgeschäft bescherte den deutschen Onlineshops ein erneutes Wachstum von 12 Prozent, wie Roland Fesenmayr vom Bundesverband digitale Wirtschaft (BVDW e.V) in seinem Eröffnungsvortrag feststellte. In einer Befragung zeigten sich fast 79 Prozent der Online-Shop-Betreiber mit dem Weihnachtsgeschäft 2005 zufrieden, 41,3 Prozent sogar sehr oder extrem zufrieden. Die Gründe für das gute Online-Weihnachtsgeschäft sieht Fesenmayr unter anderem in dem gestiegenen Vertrauen der Verbraucher. Neben dem Preis spiele die Serviceund Lieferqualität eine zunehmende
Rolle. Als Trends für 2006 bezeichnete er die wachsende Zielgruppe der Generation 50+, die kaufkraftstark und konsumfreudig das Internet für sich erschließe. Eine besondere Herausforderung sieht er im E-Mail-Marketing und in der Kundenbindung sowie im Ausbau von Beratung über das Internet.

Online-Shopping boomt im B2C

Auch der klassische Versandhandel ergänzt mit Multi-Channel-Strategien sein stagnierendes Kataloggeschäft. So berichtete Harald Gutschi von neckermann.de, dass trotz insgesamt leicht rückläufiger Umsätze im Versandhandel der E-Commerce-Anteil seit Jahren weiter zunehme. Der Bundesverband Versandhandel e.V. hat errechnet, dass die E-Commerce-Umsätze im vergangenen Jahr wieder um 24 Prozent auf mittlerweile 6,1 Milliarden Euro zugelegt haben. Dies ist ein wichtiger Grund, warum neckermann.de sich konsequent als „E-Commerce-driven Company“ aufstellt.

Otto.de und Neckermann.de öffnen sich für Externe

Neckermann.de und Otto.de wollen im nächsten Schritt ihre Web-Portale für externe Partner öffnen und sich schrittweise zu Internet-Vertriebsplattformen entwickeln, auf denen der Kunde alles das findet, was er im Internet kaufen will. Damit positionieren sich die Unternehmen eindeutig in Richtung Amazon und Ebay.

„Wir wollen zu einer europäischen E-Commerce-Plattform werden“, sagt Harald Gutschi, Geschäftsführer der Neckermann.de GmbH. Seine Vision: Neckermann.de wird zum „Mittler zwischen Kunde und Angebot“. Die Verkaufsplattform wird für externe Partner geöffnet. Der Traffic und die Kernkompetenz von Neckermann.de, „das Managen von Kundenbeziehungen im Online-Handel“, sollen vermarktet werden. „Mit über 30 Partnern sind wir darüber im Gespräch“, so Gutschi. Als erstes Unternehmen ist Hama, Spezialist für PCs und Zubehör, in Neckermann.de eingebunden.

Weitere sollen folgen. Dabei denken die Frankfurter Handelsstrategen nicht nur daran, „Komplementärsortimente“ wie Kosmetik, Wohnen und Garten aufzunehmen. „Das können auch Wettbewerbssortimente sein“, sagt Gutschi. Shop-in-Shop-Modelle unter dem Markennamen seien ebenso denkbar, wie in das Neckermann-Sortiment integrierte Konzepte. Bestellerfassung, Fakturierung, Buchhaltung und die logistische Abwicklung könne Neckermann.de gegen Provision übernehmen. Otto geht den gleichen Weg. „1a-Lagen im Internet sind begrenzt“, sagt Dr. Thomas Schnieders, Direktor neue Medien, Otto GmbH & Co. KG. Mit über 4,2 Millionen Besuchern im November zählt Otto.de dazu. Otto wolle sich externen Partnern öffnen und vor allem mit Mar-kenanbietern kooperieren, so Schnieders. Doch dabei werde überlegt, mit wem Partnerschaften Sinn machten. „Wir gehen gesteuert vor.“ Zum Weihnachtsgeschäft wurden bereits die Tochtergesellschaften Obi@Otto, My.Toys.de und Otto Reisen mit vollem Sortiment und als eigene Shop-Rubrik in Otto.de integriert. „Wir arbeiten seit Jahren daran, das Sortiment auszudehnen,“ so Schnieders.


Großhandel hinkt noch hinterher

Während der B2C-Handel bereits erfolgreiche Internetstrategien verwirklicht hat, hinkt der B2B-Großhandel noch hinterher. Ingo Schloo stellte im Rahmen des Kongresses die aktuelle zentrada-Studie „Internet und European Trading Trends“ vor. Ende vergangenen Jahres wurden durch das renommierte E-Commerce-Center Handel im Auftrag von zentrada 400 deutsche Groß- und Einzelhändler sowie Immporteure von Konsumgütern zu ihren ECommerce-Aktivitäten befragt. Mit ernüchterndem Ergebnis: Lediglich 26,9 Prozent aller Befragten betreiben einen eigenen Onlineshop. Aber dem steht gegenüber, dass 40 Prozent aller Unternehmer, die ihre Güter bereits über einen eigenen Onlineshop oder Marktplatz vermarkten, bereits zwischen 10 und 90 Prozent ihres Umsatzes über diese Vertriebskanäle realisieren. Dieses Ergebnis bestätigt das Internet als Absatzkanal auch für das B2B-Geschäft und zeigt, welche enormen Umsatzpotenziale sich über das Internet realisieren lassen. Daher überrascht es wenig, dass fast 69 Prozent der Unternehmer mit Onlineshop und über 70 Prozent der Unternehmen mit Marktplatzaktivitäten im Internethandel starke oder sehr stark steigende Umsätze voraussagen.

Als Fazit des Kongresses kann festgehalten werden, dass weiterhin große Potenziale für den Onlinehandel bestehen. Alle Branchenverbände sehen einen Aufwärtstrend für 2006 und prognostizieren hohe Wachstumsraten für den Handel im Internet – für den B2B-Markt genauso wie im Endverbraucherbereich.
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