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23.09.2009
Großhandel Wedekind: In der Krise gewachsen
Während andere Händler über Konsumzurückhaltung klagen und Mitarbeiter reduzieren, konnte der Großhandel Wedekind kräftig zulegen. zentrada.magazin hat den erfolgreichen Unternehmer in Wolfenbüttel besucht.
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Gestartet hat Carsten Wedekind sein Unternehmen im Jahr 2004. Vorher hatte er in Wolfenbüttel und Bremen als Industriekaufmann im Bereich Werbung, Druck und Logistik gearbeitet. „Wir haben damals Kataloge von Importeuren mit Trend- und Werbertikeln produziert und mich hat immer interessiert, was dort so alles vertrieben wird“, erklärt der Unternehmer. Also wagte er den Schritt in eine neue Branche und begann mit dem Handel. Zuerst mit einem Onlinehandel für Konsumenten. „Ich habe erst einmal die Produkte aus den Katalogen bestellt, die mich so fasziniert hatten“, berichtet Wedekind. Auf Messen suchte er weitere interessante Artikel. Und so begann er seinen Handel mit einer Mischung aus ferngesteuerten Autos, Luftgitarren und Hawaiketten. Ein Großteil des Versandes wurde über Online-Marktplätze abgewickelt.
Doch im Jahr 2006 kam für Wedekind die große Wende. Er hatte sich im Vorfeld der Fußball-WM ein großes Kontingent an Autofahnen sichern. Ein enormes Risiko für den aufstrebenden Händler, doch es zahlte sich aus. „Im Laufe der WM ist eine wahnsinnig große Nachfrage nach diesen Autoflaggen ausgebrochen. Darauf war keiner der Großhändler vorbereitet, so dass viele bei uns nachgefragt haben. Damit entstand dann unser Großhandelsbereich, den wir Schritt für Schritt weiter ausgebaut haben.“

Beratung und Unterstützung für die Kunden
Und dieser Ausbau schritt so schnell voran, dass der Einzelhandel im gleichen Zuge geschlossen wurde. „Wir wollten unseren eigenen Kunden nicht Konkurrenz machen. Das erschien uns unfair.“ Stattdessen berät und unterstützt die Firma Wedekind ihre Kunden heute bei deren Vermarktung. „Bei uns ist ein enormes Wissen über die Vermarktung von Trendartikeln und das Handling von Online-Marktplätzen vorhanden. Das geben wir gerne an unsere Kunden weiter.“ Regelmäßig kommen deshalb lernwillige Onlinehändler in das Unternehmen in Wolfenbüttel und lassen sich beraten. Doch damit nicht genug. Auch bei der Werbung hilft Wedekind seinen Kunden. „Wir stellen professionelle Fotos der Produkte her und geben diese an die Kunden weiter. Und auch die Produktbeschreibungen können die Kunden gerne von uns nutzen.“ Sozusagen fast ein Rundum-Sorglospaket. Denn das Verschicken muss der Kunde schon noch selbst erledigen.
„Wir haben auch schon mehrfach über eine Ausweitung unseres Services in Richtung Dropshipping nachgedacht. Aber unsere Logistik ist dafür noch nicht bereit.“ Aber was nicht ist, kann ja noch werden…
Immerhin wurde die Logistik erst im Juni 2009 an einen Dienstleister in Stuttgart ausgelagert. „Vorher hatten wir hier im Raum Wolfenbüttel/Braunschweig mehrere Lager angemietet. Das war ziemlich chaotisch und der Platz reichte vorne und hinten nicht mehr aus. Heute funktioniert das alles reibungslos.“ Die Logistikfirma in Stuttgart ist mit dem Wirtschaftssystem in Wolfenbüttel direkt vernetzt und die Aufträge werden elektronisch ausgelöst. Dadurch werden Lagerbestandsabfragen und Artikelstammdaten in Echtzeit synchronisiert. Durch die Auslagerung der Logistik wurde die Lagerkapazität auf bis zu 3.500 Palettenstellplätzen erhöht und die tägliche Abfertigungsrate von Aufträgen kann täglich auf bis zu 2.000 Sendungen erweitert werden.
Doch warum sucht sich eine Firma aus Niedersachsen eine Logistikfirma in Baden-Württemberg? Kundenorientierung ist die Antwort! „Nach den sehr stark gestiegenen Auslandsumsätzen im Jahr 2007/2008 haben wir unseren Kundenstamm erneut analysiert und festgestellt, dass im europäischen Ausland noch sehr viel mehr Potential vorhanden ist. Da wir unsere Auslandsumsätze in den Ländern Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich weiter ausbauen möchten, haben wir gezielt ein Logistikstandort in Süddeutschland gesucht.“ Heute können wir deshalb eine Palette z.B. für knapp 30 Euro Fracht nach Österreich liefern. „Das zahlt sich aus. Wir haben seitdem deutlich mehr Kunden aus Südeuropa gewonnen.“

Wachstum trotz Krise
Einer der Faktoren, die dazu geführt haben, dass der Großhandel Wedekind von der aktuellen Krise im Handel nur wenig spürt. „Wir sind in diesem Jahr sogar deutlich gewachsen“, erklärt der Unternehmer stolz. Trotzdem spürt er die Krise: „Wir liefern auf Rechnung und versichern die Kunden bei einem Kreditversicherer. Und hier spüren wir die Krise deutlich, denn immer weniger Händler werden überhaupt noch versichert, beziehungsweise nur für immer geringere Beträge.“
Das Umsatzwachstum findet vor allem bei Artikeln bis 2 Euro Warenwert statt. Produkte zwischen 50 bis 100 Euro laufen dagegen schlechter als vor der Krise. Das Unternehmen hat heute knapp über 2000 Artikel im Programm, bis Ende 2009 werden es an die 3000 sein. Davon sind zirka 1000 Produkte feste Stammartikel, bei dem Rest handelt es sich um Trendartikel, die häufig nur ein halbes oder dreiviertel Jahr im Programm sind. Ein weiterer Firmenschwerpunkt ist der Restpostenhandel, welche sich überwiegend aus den Bereichen Geschenkartikel, Spielwaren, Trendartikel und Haushaltswaren zusammensetzt. „Wir fragen dann im Vorfeld kurz bei unseren wichtigsten Kunden nach und kaufen bei Interesse den gesamten Posten auf.“ Dass es keine weiteren Konkurrenten in der Vermarktung des Postens gibt, ist Wedekind dabei sehr wichtig. „Deshalb kaufen wir – wenn wir kaufen - alles.“
Daneben gibt es die Eigenentwicklung von Designs und Produkten sowie die Lizenzierung von Merchandising-Themen, welche in der firmeneigenen Grafikabteilung durchgeführt werden. Ein neues Produkt ist beispielsweise die Autoflagge, mit der alles begann – allerdings mit neuen Aufdrucken. Beispielsweise „VIP“, „Baby on Board“ oder „Party-Taxi“. Das ideale Geschenk oder Mitbringsel auf eine Party mit Freunden. Auch für die nächste Fussball-WM hat sich der findige Unternehmer bereits etwas ausgedacht: Das Vuvuzela, ein afrikanisches Blasinstrument, in den Farben schwarz, rot und gelb, welche sie unter der Lizenzmarke Mr. Vu vertreiben wird. Der große Vorteil: Während es für Druckluftfanfare und sonstige Lärmmacher mittlerweile starke Einlassbeschränkungen in den Stadien gibt, darf dieses ursprüngliche Instrument zum Einsatz kommen.

Über 25.000 Newsletter-Kunden
Besonders für die Trend- und Geschenkartikelhändler wird dies ein interessantes Produkt im nächsten Jahr werden, davon ist Wedekind überzeugt. Das Unternehmen beliefert heute über 5.000 Kunden. Die meisten davon sind im Versandhandel tätig, doch zirka 20 Prozent betreiben auch einen klassischen Einzelhandel. Weitere 20 Prozent sind Industrieunternehmen, die bei Wedekind ihre Werbeartikel ordern. Betreut werden die Kunden von Handelsvertretern, die die Kunden regelmäßig besuchen sowie einem verkaufsaktiven Telefoninnendienst mit Personen. „Im Bereich Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen suchen wir übrigens gerade einen weiteren Vertreter“, erklärt Werbeprofi lächelnd. Bei dem von zentrada durchgeführten Wettbewerb über die besten Online-Großhandelshops belegte der Großhandel Wedekind mit ihrem 8. Platz im zweiten Teilnahmejahr wieder einen Platz unter den Top 10.
Über 25.000 Newsletter-Abonnenten werden regelmäßig mit Neuheiten und interessanten Produkten versorgt. „Wir können genau nachvollziehen, welche Produkte geklickt und gekauft werden.“ Das macht den Newsletter für Wedekind auch zum Marktforschungsinstrument. „Wenn kein Kunde auf das Produkt klickt, dann brauche ich es gar nicht zu produzieren.“
Systemtechnisch befindet sich der Großhandel Wedekind an vorderster Front. Ein eigen entwickeltes CRM-System verwaltet sämtliche Kundenkontakte und gibt jedem Mitarbeiter Einblick über Vereinbarungen, Sonderkonditionen und Termine mit Kunden. Die Warenwirtschaft erfolgt über ein offenes ERP-System, das mit dem Onlineshop verknüpft ist.
Neue Kunden gewinnt Wedekind hauptsächlich über das Internet: Key-Word-Advertising bei Google sowie die Präsenz auf zentrada bringen ihm regelmäßig neue Händler. Und ganz neu im Marketing-Mix finden sich auch verschiedene Messen. „Wir haben mittlerweile eine gewisse Größenordnung erreicht, bei der unsere Kunden erwarten, dass wir auch auf Messen präsent sind.“ Auf dem Programm stehen momentan die IAW in Köln sowie die Spielwarenmesse in Nürnberg. Doch auch die die Frankfurter Messen Ambiente und Tendence sind im Gespräch. „Wir wollen unseren Kunden näher kommen und die Zusammenarbeit weiter ausbauen.“, so Wedekind.
htttp://www.grosshandel-wedekind.de