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03.08.2007
VonderPalette.de: Als Nischenanbieter erfolgreich
Es begann als privates Hobby und wurde mittlerweile zum erfolgreichen Haupterwerb. Die Erfolgsgeschichte von Christian Wittmann ist eine, wie es im Internet mehrere gibt. Zentralmarkt hat den Vorzeige-eBay-Händler besucht.
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Alles begann 1999 mit einer Carrera-Bahn. Eigentlich wollte Christian Wittmann nur seine eigene Bahn wieder aufbauen, doch es fehlten die dazugehörigen Autos. Im Internet wurde nach Carrera gegoogelt – und er stieß auf eine ganze Reihe von aktuellen eBay-Aktionen. „So bin ich auf diesen Online-Marktplatz überhaupt erst aufmerksam geworden“, erklärt Wittmann, der mit seiner Firma VonderPalette zu einem der größten und erfolgreichsten eBay-Powerseller zählt. Der gelernte Großhandelskaufmann wurde also schnell fündig – er ersteigerte die passenden Renner. Und nachdem er die ersten Kauferfahrungen gemacht hatte, wagte er sich an die ersten Verkäufe. Der damalige Ausbilder wollte nebenbei etwas die Familienkasse aufbessern, inzwischen versendet er pro Monat mehrere tausend Artikel. Als Platinpowerseller bei eBay fällt er in die Kategorie „über 5000 verkaufte Artikel im Monat“.

Spezialisierung auf ein Gebiet
Dabei fing es ganz klein an. „Ich hatte schon früher auf Flohmärkten verkauft – und von damals noch verschiedene Kisten mit Produkten. Die habe ich eingestellt – und es lief!“ Er wandte sich an seinen früheren Arbeitgeber, einen Automobilzulieferunternehmen und fragte dort nach aktuellen Restposten – und seine Positionierung auf „Alles rund ums Auto, Fahrrad und Freizeit“ war geboren. Dann fragte ihn ein Bekannter nach günstigen Relingträgern und Wittmann ging auf die Suche. Er fand auch einen großen Posten – und kaufte noch mehr. „Damals waren Dachträger im Postengeschäft nicht gerne gesehen. Denn für den klassischen Postenmarkt sind Dachträger kein Geschäft, weil sie zu individuell sind. Als ich verkündete, dass ich damit in den Onlinehandel einsteigen wolle, haben alle gemeint, „das geht nicht“. Doch es hat funktioniert.“ Denn im Onlinehandel gelten andere Regeln als im stationären Handel – sowohl im klassischen Bereich wie auch im Postengeschäft. Im Outlet ist die Präsentationsfläche begrenzt und kein Händler kann die vielen nötigen Varianten an Dachträgern anbieten. Für einen Onlinehändler ist das Angebot von einer breiten Palette dagegen kein Problem. „Ich wurde in diesem Bereich schnell bekannt und erfolgreich – und habe von dort aus die Positionierung weiter ausgebaut.“ Wenn Wittmann seine Unternehmensgeschichte erzählt, dann denkt man spontan an eine der bekannten amerikanischen Garagengründungen. „Wir haben zuerst aus dem Garagenvorplatz zu Hause verkauft, später haben wir ein Lager angemietet – doch da hat es manchmal auch reingeregnet“, witzelt der Hasslocher. Heute hat der Online-Händler seine Logistik vollständig im Griff. Das meiste regelt eine Spedition, die von ihm die Aufträge erhält und dann sofort ausliefert. „Das ist für unser Geschäft ideal, weil es flexibel ist.“Heute sitzt er entspannt in seinem Büro – in einem Extra-Trakt des Wohnhauses – und verfolgt auf zwei Bildschirmen parallel die Online-Welt. Seine Produkte bezieht er heute bei verschiedenen Lieferanten – hauptsächlich im europäischen Ausland, doch teilweise auch in China. „Ich will möglichst nah an den eigentlichen Hersteller kommen“, erklärt Wittmann. Für Wittmann sind langjährige, vertrauensvolle Beziehungen zu seinen Lieferanten sehr wichtig. „Man muss sich riechen und verstehen können.

Wie man mit Schnäppchen-Jägern umgeht
Und das gilt für ihn auch in Bezug auf die Kunden, auch wenn er über diese gerne auch mal witzige oder negative Anekdoten erzählt. eBay-Kunden sind schließlich eine Spezies für sich. „Es wird Zeit, dass sich der Kunde als Partner begreift. Vor allem wenn er ein besonders günstiges Schnäppchen machen will. Dann muss er halt auch mal mit einer Mehrweg-Verpackung leben können.“ Doch die eBay-Kunden sind für ihre direkte Art berühmt berüchtigt. „Mittlerweile muss man ein Produkt auf eBay doch fast live moderieren“, so umschreibt er die häufig sehr detaillierten Rückfragen von potenziellen eBay-Käufern und schwärmt von den unkomplizierten amazon-Kunden. „Da erhalte ich im Vergleich höchstens ein fünftel der Anfragen, Beschwerden und Mails. Und auch die Preise sind besser – sowohl die Verkaufspreise wie auch die Verkaufsgebühren.“ Insgesamt erhält er im Schnitt 150 bis 300 eMails am Tag, die zu bearbeiten sind. Unterstützt wird er dabei von zwei weiteren Mitarbeitern, die zeitweise arbeiten. „So können wir eine Antwortzeit von zirka 12 Stunden am Tag realisieren, denn gerade für eBay sind ja die Abendstunden wichtig.“ Leider ist aber der Traffic auf amazon noch lange nicht mit dem von eBay vergleichbar. „Ich verkaufe 80 Prozent bei eBay, zehn Prozent bei amazon und weitere zehn Prozent in meinem eigenen Shop. Doch der Anteil von Amazon steigt stetig an“, freut sich Wittmann.

Alles im Griff
Auch wenn bei Amazon für die Verkäufer noch vieles Handarbeit ist, was bei eBay bereits durch Tools automatisiert wurde, Wittmann ist im Großen und Ganzen zufrieden. „Wir müssen händisch die Suchknoten der Produktgruppen nachpflegen – doch dann wird man auch wirklich gut gefunden.“Als kaufmännische Software fungiert bei dem Onlinehändler die Lösung Auctionweb. Dort werden die Produkte verwaltet und von dort aus in die verschiedenen Marktplätze eingestellt. Hier werden auch die Rechnungen geschrieben und die Kunden verwaltet. Und der Softwareanbieter arbeitet auch bereits an einer Version, die auch das Einstellen bei Amazon erleichtern soll. „Aber das dauert natürlich etwas. Schließlich ist Amazon ganz anders aufgebaut als eBay – sowohl vom Bild- wie auch vom Textmanagement.“Auch die Gebührenstruktur unterscheidet sich gravierend. Während der Hauptteil der eBay-Gebühren für die Einstellung anfallen („egal ob man was verkauft oder nicht“) und nur zirka ein Drittel für den Verkauf, zahlt man bei Amazon eine monatliche Grundgebühr (momentan 39,90 Euro) und eine Verkaufsgebühr von 15 Prozent pro verkauftem Produkt. „Das ist einfacher zu kalkulieren, denn ich weiß auf jeden Fall, dass ich nur im Verkaufsfall etwas zahlen muss.“Dass er sein Geschäft im Griff hat, beweist er auch mit seiner Sortimentspolitik. Die anfängliche Fokussierung auf Dachträger gibt es noch heute. Doch daneben gibt es ein abgestimmtes Sortiment rund um Auto, Freizeit, Sport und Spielzeug. Permanent hat er zirka 250 Produkte im Angebot, wobei die konkrete Typenbezeichnung sowie auch der Anbieter häufig wechseln. „Schließlich will ich ja meinem Namen VonderPalette auch gerecht werden. Das hat natürlich einen gewissen Sonderposten- und Schnäppchen-Geruch. Aber letztlich bin ich mit meiner Nische bei eBay und auch auf den anderen Marktplätzen sehr glücklich“, freut sich Wittmann.

Martina Schimmel-Schloo



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