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23.08.2007
Rolf Daiber: Der Herr der Caps
20.000 individuell bestickte Golfcaps innerhalb von einer Woche? Für den Textilanbieter Gustav Daiber ist das kein Problem. Zentralmarkt hat den schwäbischen Unternehmer in Albstadt besucht.
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Auf über 900 Meter, umgeben von anmutigen Hügeln und saftigen Wiesen liegt die Fabrik Gustav Daiber, die Rolf Daiber seit über 30 Jahren führt. Im schwäbischen Albstadt, in der Nachbarschaft von Kuhweiden und Bauernhöfen, befindet sich das Zentrum der deutschen Textilbranche und mit ihm der europäische Marktführer im Bereich textiler Werbeträger. Noch heute sind in Albstadt über 100 Textilfabriken aktiv. Das Tätigkeitsfeld hat sich aber deutlich verändert. Ebenso wie bei der Firma Gustav Daiber.
Begonnen hat es bereits 1860 als Hutfabrik und wandelte sich im Zug der Zeit zu einem Textilhandelsunternehmen. Doch mit dem Eintritt von Rolf Daiber im Jahr 1975 beginnt eine neue Ära. Denn der neue Chef errichtet eine Produktionsstätte für die Textilverarbeitung. Die Schwerpunkte dabei sind das Besticken sowie der Transferdruck auf textilen Werbeträgern. Mit über 40 Stickautomaten zählt die Gustav Daiber GmbH heute zu den führenden Herstellern hochwertiger Stickereien und Sticklabels. Die eigenen Marken „myrtle beach“ im Bereich Kappen und „James & Nicholson“ bei Textilien zählen im Bereich Werbeträger zu den modischen und innovativen Marken.
„Mit über 120 Artikeln im Bereich Caps sind wir wohl der Anbieter mit dem breitesten Angebot“, erklärt Rolf Daiber stolz. Und auch das Textilangebot mit über 160 Artikeln – vom Skianzug bis zum Kleinkindstrampler – kann sich sehen lassen. Der sonst eher ruhige und zurückhaltende Schwabe blüht formlich auf, sobald er von seiner Textilfirma und der Produktion berichten kann. Und er hat eine ganze Menge zu erzählen, schließlich kennt er seine Firma von der Pike auf. „Ich kann jede Maschine hier bedienen – und kann der Arbeiterin auch den Akkord vormachen“, schmunzelt der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann. Seine Führungsphilosophie bringt er denn auch mit „Management by walking around“ auf den Punkt. Wenn es in einem Bereich ein Problem gibt, dann arbeitet er dort eine Weile mit und ergründet so – gemeinsam mit den Mitarbeitern – das eigentliche Problem und entwickelt die passende Lösung.

Der Kunde zahlt das Gehalt
Für Daiber ist Kundenorientierung der wichtigste Faktor bei der Mitarbeiterauswahl und –führung. „In unserem Geschäft ist es wichtig, schnell und flexibel auf den Kunden einzugehen. Deshalb muss jedem Mitarbeiter – angefangen beim Vertriebsinnendienst, aber ebenso in der Stickerei und im Lager – klar sein, dass es der Kunde ist, von dem er sein Gehalt bekommt.“
Bis zu 10.000 Teile pro Tag kann die Daibersche Texilveredelung besticken. „In der Kombination mit einer kurzen Lieferfrist ist das unser USP. Natürlich sind die Lieferanten, die in China fertigen und sticken lassen, deutlich günstiger. Doch was hilft der niedrige Preis, wenn Sie die Produkte bereits in zwei Wochen benötigen.“
Dabei lässt auch Daiber die Textilien selbst in Asien fertigen. Bei der Beschaffung greift Rolf Daiber auf das weltweite Einkaufsnetz der Muttergesellschaft JCK Holding zurück. Über 100 eigene Mitarbeiter in Bangladesh und Shanghai sowie Qualitätsbüros in nahezu allen chinesischen Städten und Büros in Pakistan, Indien und der Türkei sichern optimale Beschaffungsbedingungen. „Wir achten schon seit Jahren auf die Einhaltung von Social Codes, wie keine Kinderarbeit und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Anfangs hat da kein Händler danach gefragt. Heute wird die Frage schon häufiger gestellt.“ Doch für die Gustav Daiber GmbH kommen nur die Rohprodukte aus Asien.
Die Entwicklung der Schnitte, Stoffe und Farben findet in Albstadt statt, ebenso wie die Veredelung in Form von Stickerei oder Transferdruck. Welches Motiv auf die Textilien aufgebracht wird, entscheidet der Kunde. „Wir arbeiten ausschließlich mit Werbeartikelhändlern zusammen. Diese suchen wiederum für Unternehmen aus der Industrie den passenden Werbeträger, also beispielsweise ein T-Shirt für ein bestimmtes Event.“ Doch auch Fanartikel gehören ins Programm der Daiber GmbH und neben den Werbeartikelhändlern werden auch die über 1000 Klein-Stickereien, die in Fussgängerzonen und auf Events individuelle Eindrucke anbieten, oder pfiffige Trendprodukte verkaufen, beliefert. „Gerade im Eventbereich ist Flexiblität gefragt. Schließlich weiß man häufig erst spät, dass beispielsweise der VfB Stuttgart im Finale um die Deutsche Meisterschaft steht und dementsprechend viele Fanartikel benötigt werden“.
Ob ein Logo oder der Werbespruch bestickt oder aufgedruckt werden, entscheiden verschiedene Faktoren: Einmal das Material des Werbeträgers. „Ein Polo-Shirt schreit geradezu nach einer Stickerei und ein hochwertiges Herrenhemd ebenso. Auf der anderen Seite wirkt auf einem sportlichen T-Shirt ein Druck passender.“ Auch die Qualität des Motivs ist unterschiedlich. Ein besonders feingliedriger Text ist nur im Druckverfahren lesbar, die Stickerei wirkt dagegen prägnanter. Der sogennante Transferdruck, auch indirekter Druck genannt, bringt das Motiv nicht direkt auf den Stoff sondern arbeitet mit verschiedenen Arbeitsgängen. Im Siebdruck wird das Motiv auf einen papierartigen Zwischenträger aufgedruckt. Dieser wird dann auf den Stoff aufgebügelt. „Mit diesem Verfahren kann man sehr viel feingliedrigere Muster realisieren“. 

Am Anfang ist die Idee
Rolf Daiber weiß: „Der Weg von der Idee zum Produkt ist viel weiter als man denkt.“ Bei der Produktfindung zieht er seine 16 hauseigenen Designer zu Rate. „Zwei Mal jährlich findet bei unserer Muttergesellschaft ein Brainstorming statt. Gemeinsam mit den anderen Textilfimen, die den normalen Handel beliefern, erkennen wir mittelfristige Trends, die auch für die Werbung interessant sein könnten“, verrät der 53-jährige. „Kurzfristige Modetrends können wir mit Sonderanfertigungen realisieren.“ Und woher kommen die Ideen? Der Textilspezialist: „Inspirationen findet sich überall. Man muss nur stets Augen und Ohren offen halten.“

Ohne Kommunikation geht´s nicht
Neben seinem Gespür für Trends, weltweitem Beschaffungs-Know-How und optimalen logistischen Voraussetzungen hat Rolf Daiber auch das richtige Marketingkonzept zum Erfolg verholfen. Dafür hat er seit 1994 einen vertrauten Partner an seiner Seite: Andreas Kiesewetter, Inhaber einer Werbeagentur im Südwesten und Spezialist für strategische Markenkommunikation. Schritt für Schritt gelingt es den Beiden in enger Zusammenarbeit, die Marke Daiber durch konsequent und zielgerichtet eingesetzte Kommunikationsmaßnahmen zur internationalen Handelsmarke zu etablieren. Kiesewetter blickt zurück: „Damals haben wir mit minimalem Budget ganz klein angefangen, hatten aber große Ziele. Wir wollten mit den Caps zum europäischen Marktführer werden.“ Dieses Ziel haben sie erreicht. Nicht zuletzt dank Rolf Daibers Mut und Investitionsbereitschaft. Die aus den Marketingmaßnahmen resultierende Umsatzsteigerung wurde stets sofort wieder investiert. So war es möglich, die Marke stetig weiterzuentwickeln.
Doch auch für die Zukunft hat der bescheidene Schwabe noch viel vor: In drei bis fünf Jahren will er den Umsatz verdoppeln. Aber nicht mit Wachstum um jeden Preis. „Man darf seine Mitarbeiter und Organisation nicht über- aber auch nicht unterfordern! Wenn Sie zu wenig wachsen, dann sinkt der Gewinn. Bei uns liegt das ideale Wachstum bei ungefähr 20 Prozent. Damit können wir uns reibungslos weiterentwickeln“, erklärt er. Wenn dagegen das Wachstum darüber liege, dann müsse die Organisation zu stark angepasst werden. „Dann müssen Sie zu viele neue Leute einstellen und der Betrieb läuft gleich nicht mehr so harmonisch.“

Martina Schimmel-Schloo 


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